Bericht des Bürgermeisters
Zu Beginn der Sitzung durfte ich über einige aktuelle Entwicklungen aus unserer Gemeinde berichten.
Erfreulich war zunächst, dass das zuvor verschwundene Ortsschild von Marzling in Richtung Goldshausen wieder aufgetaucht ist. Auch die Informationsveranstaltung zum Thema erneuerbare Energien war aus meiner Sicht gelungen und hat gute Einblicke in die Möglichkeiten der Energiewende vermittelt.
Ein herzliches Dankeschön gilt außerdem allen Beteiligten, die unser diesjähriges Ferienprogramm mit einem vielseitigen Angebot ermöglicht haben. Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen sich dafür einsetzen, unseren Kindern und Jugendlichen abwechslungsreiche Ferien zu bieten.
Vom 25. bis 27. September dürfen wir unsere Freunde aus der italienischen Partnergemeinde San Zenone in Marzling begrüßen. Vielen Dank an die SG Hangenham, die angesichts klammer Kassen die Bewirtung am Freitagabend übernimmt. Am Samstag freuen wir uns au die feierliche Einweihung des Barockstadels und im Anschluss ist es mir eine Ehre, unsere Freunde auf die Wiesn zu begleiten. Zum Abschluss des Besuchs am Sonntag ist ein Weißwurstfrühstück in unserem Barockstadel mit den Vereinen vorgesehen. Vielen Dank an die Familie Krieglsteiner für die Bewirtung anläßlich der Einweihung
Bedanken möchte ich mich auch bei unserem Bauhof für die Arbeiten rund um die neue Beflaggung vor dem Rathaus.
Leider gibt es auch weniger erfreuliche Entwicklungen: Die Hinterlassenschaften von Hunden auf unseren Gehwegen und öffentlichen Flächen nehmen wieder zu. Das ist für andere Bürgerinnen und Bürger schlicht eine Zumutung. Deshalb erhalten die Hundehalter einen persönlichen Brief, in dem wir an ihre Verantwortung und Rücksichtnahme appellieren.
Zum Thema Regenwasser im Angerweg konnte ich Entwarnung geben. Die Gullis sind inzwischen wieder frei, sodass das Wasser ablaufen kann.
Weiterhin beschäftigt uns die Ausbreitung des Bibers. Sein Aktionsgebiet reicht mittlerweile so weit, dass er sich sogar unter der Straße in Richtung Amper vorarbeitet. Hier müssen wir die weitere Entwicklung im Blick behalten.
Besonders erfreulich ist dagegen die neue Photovoltaikanlage auf unserem Kinderhaus. Ein großer Dank gilt der Familie Brandmeier, IBEX Solar und Elektro Schlegl für ihren Beitrag zur Umsetzung dieses Projekts.
Eisenbahnüberführung an der Isarstraße
Die geplante Eisenbahnüberführung an der Isarstraße bleibt ein wichtiges Thema für unsere Gemeinde. Die Deutsche Bahn hat inzwischen zwei weitere Varianten vorgelegt.
Aufgrund der bisherigen, teilweise schwierigen Zusammenarbeit werden wir uns mit den neuen Vorschlägen zunächst in nichtöffentlicher Sitzung näher befassen. Sobald wir belastbare Ergebnisse haben, werde ich darüber informieren.
Dauerparker im Angerweg
Eine E-Mail eines Bürgers vom 9. August beschäftigte den Gemeinderat ebenfalls. Dabei ging es um Dauerparker im Angerweg und damit um ein Thema, das uns schon länger begleitet: die angespannte Parkplatzsituation an verschiedenen Stellen im Gemeindegebiet.
Wir werden uns damit in einer der nächsten Sitzungen ausführlicher beschäftigen. Als mögliche kurzfristige Maßnahme wurde vorgeschlagen, an entsprechenden Fahrzeugen einen Hinweis anzubringen, über den die Gemeinde auf die Situation aufmerksam gemacht wird.
BAUTURBO GEZÜNDET – Neuer Wohnraum am Bachwinkel: Drei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus
Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war unser geplantes Bauvorhaben am Bachwinkel. Auf den gemeindeeigenen Grundstücken sollen drei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus entstehen.
Damit schaffen wir insgesamt sieben Wohneinheiten, die künftig Wohnraum für Bürgerinnen und Bürger bieten können. Gerade in unserer Region ist es wichtig, vorhandene Flächen sinnvoll zu nutzen und neue Wohnmöglichkeiten zu schaffen.
Die Planung sieht unterschiedliche Gebäudemaße vor. Vorgesehen sind unter anderem Satteldächer mit einer Dachneigung von 35 Grad. Auch die Erschließung über die Straße Am Bachwinkel ist berücksichtigt. Zusätzlich werden sieben Stellplätze auf einem angrenzenden Grundstück vorgesehen, um die Parksituation zu entlasten.
Für die Umsetzung soll die Sonderregelung des § 246e Baugesetzbuch, häufig als „Bauturbo“ bezeichnet, genutzt werden. Sie ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen eine beschleunigte Genehmigung von Wohnbauvorhaben.
Der Gemeinderat hat deshalb zunächst festgestellt, dass in Marzling ein dringender Bedarf an Wohnraum besteht. Anschließend wurde auch das gemeindliche Einvernehmen zum Bauvorhaben erteilt.
Beide Beschlüsse wurden einstimmig mit 14:0 Stimmen gefasst.
Ich freue mich, dass wir mit diesem Vorhaben einen weiteren konkreten Schritt zur Schaffung von Wohnraum in Marzling machen. Entscheidend ist für mich, dass wir unsere gemeindeeigenen Grundstücke verantwortungsvoll nutzen und damit auch unseren Bürgerinnen und Bürgern eine Perspektive eröffnen.
Barockstadel: Anpassung des Stellplatznachweises
Auch unser Barockstadel war erneut Thema im Gemeinderat. Diesmal ging es um eine Anpassung des Stellplatznachweises.
Für das Gesamtprojekt waren ursprünglich 18 notwendige Stellplätze rechnerisch nachgewiesen worden. Im Zuge der aktuellen Planung sollen zehn Stellplätze auf dem direkt angrenzenden Grundstück untergebracht werden. Dafür ist eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans erforderlich.
Hintergrund ist, dass sich die Stellplatzanforderungen aus den verschiedenen Nutzungen des Gebäudes ergeben: dem Tagescafé, dem Laden und dem Veranstaltungsraum. Dabei wird berücksichtigt, dass Veranstaltungen im Barockstadel zeitlich von der Nutzung des Cafés und des Ladens getrennt sind.
Die Verwaltung hatte die Situation mit dem Landratsamt Freising geprüft. Der Gemeinderat erteilte anschließend das gemeindliche Einvernehmen und stimmte der erforderlichen Befreiung einstimmig mit 14:0 Stimmen zu.
Damit können die notwendigen Schritte für die angepasste Stellplatzlösung weiterverfolgt werden.
Private Stromleitungen: Klare Regeln für die Nutzung unserer Gemeindestraßen
Mit verschiedenen Vorhaben zur Energiewende kann es notwendig werden, private Stromleitungen unter oder entlang von öffentlichen Straßen und Wegen zu verlegen oder hindurchzuführen.
Bislang mussten entsprechende Anträge jeweils einzeln behandelt werden. Der Gemeinderat hat deshalb nun einen Grundsatzbeschluss gefasst, der einheitliche Regeln schafft und die Verwaltung künftig in geeigneten Fällen selbstständig entscheiden lässt.
Grundsätzlich befürworten wir solche Leitungsquerungen, sofern sie den festgelegten technischen und vertraglichen Anforderungen entsprechen.
Besonders wichtig ist dabei der Schutz unserer Straßen. Private Leitungen sollen grundsätzlich unterirdisch und grabenlos verlegt werden, beispielsweise durch eine gesteuerte Spülbohrung oder den Einsatz einer Erdrakete. Freileitungen sowie das Aufschneiden intakter Asphaltdecken sollen grundsätzlich vermieden werden. Ausnahmen bei einer offenen Bauweise sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Bauamtes und entsprechender Begründung möglich.
Auch die finanziellen Risiken müssen klar geregelt sein. Wer eine solche Leitung verlegt, muss für mögliche Schäden haften, die Gemeinde von Ansprüchen Dritter freistellen und die Leitung nach Fertigstellung digital vermessen lassen. Sollte die Gemeinde später Straßenbauarbeiten durchführen oder den Untergrund anderweitig benötigen, muss der Eigentümer die Leitung gegebenenfalls auf eigene Kosten verlegen oder entfernen.
Zusätzlich wird eine Rückbausicherung durch eine unbefristete, selbstschuldnerische Bankbürgschaft vorgesehen. Sie beträgt 20 Euro je Trassenmeter und 100 Euro je Straßenquerungsmeter. Die Höhe kann nach jeweils zehn Jahren anhand der aktuellen Rückbaukosten überprüft werden. Für den Verwaltungsaufwand wird eine einmalige Gebühr von 50 Euro erhoben.
In der Diskussion wurde auch die Frage angesprochen, ob diese Regelung für private Fernwärmeleitungen gelten soll. Die Verwaltung stellte klar, dass sich der vorliegende Beschluss auf Strom- und Steuerleitungen bezieht. Zugleich wurde nochmals betont, dass eine fachgerechte Wiederherstellung der Straßenoberfläche sichergestellt sein muss.
Der Gemeinderat beschloss die Grundsätze und ermächtigte die Verwaltung, künftig passende Anträge selbstständig zu genehmigen, sofern die Vorgaben eingehalten und die Vertragsbedingungen unverändert akzeptiert werden. Auch dieser Beschluss wurde einstimmig mit 14:0 Stimmen gefasst.
Ich halte es für sinnvoll, hier klare und nachvollziehbare Regeln zu schaffen. Wir wollen die Energiewende nicht unnötig erschweren, müssen aber gleichzeitig darauf achten, dass die Gemeinde nicht auf Kosten und Risiken sitzen bleibt, die eigentlich von privaten Vorhabenträgern zu tragen sind.
Baugebiet „Anglberg West“ in Zolling
Die Gemeinde Zolling plant im Ortsteil Anglberg ein neues Baugebiet mit rund 2,15 Hektar Fläche. Vorgesehen sind insgesamt 34 Parzellen für unterschiedliche Wohnformen. Neben Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Mehrfamilienhäusern sollen auch Flächen für landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe vorgesehen werden.
Hier wurden wir als anliegende Gemeinde beteiligt – eher eine Formsache.
Der Gemeinderat nahm die Beteiligung zur Kenntnis und beschloss einstimmig, keine Einwendungen zu erheben.
27. Änderung der Regionalplanung: Marzling pocht auf faire Entwicklungsmöglichkeiten und bessere Infrastruktur
Ein weiterer Punkt war die 27. Änderung des Regionalplans München. Dabei geht es unter anderem um die Entwicklung des Hochtechnologieclusters Luft- und Raumfahrt in Ottobrunn und Taufkirchen sowie um Änderungen bei regionalen Grünzügen, darunter im Raum Moosburg.
Für Marzling ergeben sich aus den konkreten Flächenänderungen keine unmittelbaren planerischen Auswirkungen. Dennoch halte ich es für wichtig, die langfristige Entwicklung des gesamten Isartals im Blick zu behalten.
Wenn in einzelnen Bereichen zusätzliche Gewerbe- und Industrieflächen entstehen und zugleich Grünzüge ausgeweitet werden, darf der daraus resultierende Entwicklungsdruck nicht einseitig auf andere Gemeinden entlang der Isar verlagert werden.
Deshalb haben wir beschlossen, der Regionalplanänderung grundsätzlich zuzustimmen und zugleich eine ergänzende Stellungnahme abzugeben. Darin sollen insbesondere zwei Punkte deutlich gemacht werden: Zum einen müssen die Entwicklungsmöglichkeiten der Isartalgemeinden angemessen berücksichtigt werden. Zum anderen braucht es angesichts des wachsenden Verkehrsaufkommens leistungsfähige Infrastrukturlösungen.
Der Beschluss wurde einstimmig mit 14:0 Stimmen gefasst.
Kinderbetreuung: Schwieriges Thema – ohne Handlungsmöglichkeit der Gemeinde
Ein Thema, das viele Familien unmittelbar betrifft, war die Höhe der Gebühren für unsere Kindertageseinrichtungen.
Die Kosten für die Kinderbetreuung sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Besonders ins Gewicht fallen die Personalkosten, aber auch die Betriebs- und Sachkosten haben zugenommen. Deshalb hatte der Gemeinderat bereits Gebührenanpassungen zum 1. September 2025 und zum 1. September 2026 beschlossen.
Zum 1. Januar 2027 wird außerdem die staatliche Finanzierung der Kindertagesbetreuung in Bayern neu strukturiert. Dabei wird auch der bisherige Beitragszuschuss von 100 Euro monatlich für Kindergartenkinder in die neue Förderstruktur überführt.
Diese Änderung bedeutet jedoch nicht, dass sich der finanzielle Anteil der Gemeinde entsprechend verringert, denn der nun in den Haushalt der Gemeinde fließende Förderanteil reicht bei weitem nicht aus, das chronisch unterfinanzierte System der Kinderbetreuung aufzufangen. Wir als Gemeinde tragen ein vielfaches der Elterngebühren und muss die Betreuung aus allgemeinen Haushaltsmitteln mitfinanzieren.
In der Diskussion wurde deutlich, wie schwierig die Abwägung ist. Gemeinderätin Barbara Retzer verwies auf die gute personelle Ausstattung unseres Kinderhauses und merkte an, dass die Kinderbetreuung nur in Bayern und Baden-Württemberg so teuer sei.
Angesichts eines Defizits von etwa 1,4 Millionen Euro in der Kinderbetreuung und vorliegender Stellungsnahme der Kommunalaufsicht haben wir auch keinen Handlungsspielraum. Die erst 2025 kürzlich beschlossenen Gebührenanpassungen können wir deshalb leider auch nicht Rückgängig machen.
Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die Betreuungskosten für Familien eine erhebliche Belastung darstellen. Unser Ziel muss deshalb sein, ein gutes und verlässliches Angebot aufrechtzuerhalten.
Der Gemeinderat beschloss, die derzeit geltenden Elternbeiträge auch über den 1. Januar 2027 hinaus beizubehalten. Gemeinderat Michael Schwaiger regte an, das Thema im Frühjahr 2027 erneut aufzugreifen.
Damit ist ausdrücklich keine endgültige Entscheidung über die Gebühren für das Betreuungsjahr 2027/2028 verbunden. In der ersten Jahreshälfte 2027 wollen wir uns erneut mit der Entwicklung der Kosten, der staatlichen Förderung und der finanziellen Belastung der Gemeinde befassen.
Was mich jedoch besonders ärgert: „Wir als Kommunen leben mittlerweile in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Wir als Gemeinde mit negativem Verwaltungshaushalt haben keine andere Möglichkeit, als die Gebühren für die Eltern zu erhöhen oder schmerzhafte Personalentscheidungen zu treffen, während wir über den Länderfinanzausgleich Milliarden an andere Bundesländer überweisen, in denen die Kinderbetreuung kostenlos ist. Leider ist das ein Problem, das wir als Gemeinde nicht lösen können.“
Anfragen: Brücken in Hangenham und in der Riegerau
Zum Abschluss wurden noch verschiedene Anliegen angesprochen.
Gemeinderat Karl Göls erkundigte sich nach der Brücke über die Moosach in Hangenham. Mit Blick auf die hohen Kosten des Amperstegs in Zolling bat er darum, eine Wiederherstellung der Brücke in der bisherigen Form zu prüfen. Gemeinderat Peter Ball bat außerdem um Einsicht in das vorliegende Brückengutachten.
Auch die Brücke in der Riegerau, hinter der Familie Wimmer, wurde angesprochen. Seitens des Bauamtes lagen hierzu in der Sitzung keine neuen Informationen über zwischenzeitlich erfolgte Maßnahmen vor.
Zum Abschluss
Die Sitzung hat erneut gezeigt, wie breit die Aufgaben einer Gemeinde aufgestellt sind: Wir müssen Wohnraum ermöglichen, unsere Infrastruktur erhalten, die Energiewende begleiten und gleichzeitig ein verlässliches Betreuungsangebot für Familien sichern. All das muss mit den finanziellen Möglichkeiten unserer Gemeinde in Einklang gebracht werden.
Ich möchte mich herzlich bei den Mitgliedern des Gemeinderates und bei unserer Verwaltung für die konstruktive Arbeit bedanken. Gerade bei schwierigen Themen wie den Kinderbetreuungsgebühren ist es wichtig, die unterschiedlichen Interessen offen zu diskutieren und verantwortungsvolle Entscheidungen für Marzling zu treffen.
Vielen Dank für euer Interesse an der Arbeit unseres Gemeinderates!
Ihr und Euer
Thomas Sellmeir

